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SAC Aarau
«Man wächst mit der Hütte» Anja Zgraggen übernimmt die Chelenalphütte im Jubiläumsjahr
Text: Elisa Gerten
Seit März 2026 begrüsst Anja Zgraggen die Gäste auf der Chelenalphütte im Chelenalptal. Die neue Hüttenwartin ist im Kanton Uri zu Hause, Mitglied der SAC-Sektion Gotthard und seit jeher eng mit den Bergen verbunden. Wandern mit der Familie, Touren mit dem Partner, saisonale Arbeit auf SAC-Hütten – ihr Weg führte Schritt für Schritt genau hierher.
Anja, wie bist du überhaupt zum Hüttenleben gekommen?
«Die Berge waren schon immer Teil meines Lebens», erzählt sie. Aufgewachsen in Flüelen, verbrachte sie viel Zeit draussen, zuerst mit der Familie, später mit ihrem Partner. Seit einigen Jahren arbeitet sie saisonal auf SAC-Hütten – im Sommer wie im Winter – und übernahm dort sämtliche Aufgaben rund um Küche, Betrieb und Gäste. «Diese Einsätze haben mir gezeigt, dass das Hüttenleben wirklich mein Weg ist.»
War es schon immer dein Ziel, einmal selbst eine Hütte zu führen?
«Ja, irgendwie schon. Es hiess schon früh: Du wirst einmal eine Hütte übernehmen.» Die verschiedenen Hüttenstationen waren für sie Tests – und gleichzeitig Bestätigungen. Mit ihrer Zweitausbildung in Gastronomie an der höheren Fachschule und mehreren Jahren Berufserfahrung im Gastgewerbe fühlte sie sich gut vorbereitet für den nächsten Schritt.
Warum fiel deine Wahl auf die Chelenalphütte?
Für Anja war klar: Es sollte eine Hütte im Kanton Uri sein. «Ich komme von hier, kenne die Gegend, die Menschen, habe Familie und Freunde hier – der Bezug zur Region ist mir wichtig.» Als die Chelenalphütte ausgeschrieben war, überzeugte sie die Lage sofort: etwas abgeschieden, ruhig, weg vom Trubel. «Man ist für sich oben, die Hütte ist einfach, urig, nicht luxuriös – genau das gefällt mir.»
Wie lief der Bewerbungsprozess ab?
Sie erinnert sich an ein sehr offenes und ehrliches Gespräch. «Wir sprachen über Organisation, Kosten, Umsatz, Übernachtungszahlen, aber auch über die Herausforderungen der Hütte.» Ihr Partner begleitete sie – er wird sie im Hintergrund unterstützen, insbesondere bei technischen Themen.
Was hilft dir heute besonders in der Vorbereitung?
Neben ihrer Ausbildung in der Gastronomie ist es vor allem ihre Erfahrung aus mehreren Hüttenbetrieben. «Trotzdem ist die erste Saison besonders aufwendig – alles muss neu aufgebaut werden: Versicherungen, Personal, Verträge, Buchhaltung, Einkauf, Speisekarte, usw.» Bereits im vergangenen Herbst wurden erste haltbare Lebensmittel hochgeflogen, bald folgen Getränke und frische Lebensmittel. «Alles muss eingeräumt und organisiert werden.»
Eine der grössten Herausforderungen ist offenbar das Wasser?
«Ja, vor allem im Winter», erklärt Anja. So wie es aussieht, wird diese Frühlingssaison Schnee in grossen Pfannen geschmolzen – Wasser für Kaffee, Kochen und Abwasch usw. Das muss reichen.» Wasser ist auf jeder SAC-Hütte das kostbarste Gut.
Wie stellst du dir deinen ersten Tag in der Skitourensaison vor?
Sie lacht: «Vermutlich Schneeschaufeln. Dann Schnee schmelzen, Kochen und Vorbereiten für die ersten Gäste, Wetter checken und Gäste empfangen. » Die Skitourensaison ist bereits gut gebucht, vieles hängt aber von Lawinensituation und Wetter ab. Bei grosser Gefahr wird die Hütte zeitweise nicht bewartet – diese Informationen sind dann auf der Website und auf Instagram zu finden.
Romantik versus Realität – wie erlebst du das Hüttenleben?
«Es ist eine Hütte, um die man sich kümmern muss – mit allem drum und dran», sagt sie offen. Sieben Tage Arbeit pro Woche, oft von frühmorgens bis abends, vor allem im Winter über einige Wochen am Stück. «Falls sich durch Aushilfen freie Stunden oder Tage ergeben, dann bin ich am liebsten mit meinem Partner auf Skitour oder Hochtour, etwa Richtung Sustenhorn.»
Was ist dir im Umgang mit den Gästen besonders wichtig?
«Freundlichkeit schon beim Ankommen, gute Kommunikation und gutes (und genügend) Essen.» Die Speisekarte bleibt bewusst ein kleines Geheimnis – wer wissen möchte, was es gibt, soll auf die Hütte kommen. Vieles wird selbst gemacht, regional und saisonal. Regionaler Käse, Gemüse und Beeren aus dem eigenen Garten, vielleicht Holundersirup oder Rhabarberschorle. Ihre Lieferanten kennt sie persönlich – alle stammen aus dem Kanton Uri. 2026 ist gleichzeitig Jubiläumsjahr: 100 Jahre
Chelenalphütte. Was bedeutet das für dich?
«Es ist schön, aber auch eine Extra-Meile.» Sie ist froh um die Unterstützung aus dem Jubiläums-OK. Geplant sind unter anderem Wegdekorationen, spezielle Beschilderungen, eine Jubiläums-Kletterroute, ein Tourenwochenende und ein Jubiläumswochenende Ende August . «Spannend finde ich vor allem, wie sich die Umgebung in den letzten 100 Jahren verändert hat – leider der extreme Rückgang der Gletscher, der Stausee, die Göscheneralp.»
Was sollten Gäste sonst noch wissen?
Ab dem Stausee und auf der Hütte gibt es keinen Handyempfang und kein Internet. Bezahlt wird bar. Der Hüttenweg ist mit guter Fitness gut machbar (T2) und bleibt bis zum Schluss spannend, bis man die Hütte endlich sieht. Buchungen erfolgen über das klassische SAC-System.
Zum Schluss: Sommer oder Winter?
Anja liebt beide Saisons – doch wenn sie wählen müsste, wäre es der Sommer: «Kurze Hose, Turnschuhe, schneller unterwegs, klettern, Gratwanderungen, Hochtouren – das gefällt mir.»